Meine erste Tour nach Spanien – Mit 40 Tonnen von Neuss nach Barcelona!

“Ein Morgen in Neuss, an dem ein großes Abenteuer begann”

  • Es muss Anfang der 1980er Jahre gewesen sein, als ich zum ersten Mal mit einem 40-Tonner von Neuss aus in Richtung Spanien aufbrechen sollte.
  • Wenn ich heute an diesem Morgen zurückdenke, sehe ich noch immer diese besondere Atmosphäre vor mir.
  • Es war ungefähr fünf Uhr früh, und auf dem Betriebsgelände in Neuss von der Firma Grooten Transport herrschte bereits ein unglaublicher Betrieb.

“Grooten war ein niederländisches Unternehmen mit einer Niederlassung in Neuss”

  • Mein Name ist Jakob Diener, ich bin Berufskraftfahrer aus Leidenschaft.

“Das Gelände”

  • Überall standen Lastzüge, Fahrer liefen zwischen ihren Fahrzeugen hin und her, und aus den unterschiedlichsten Lagerhallen kamen im Sekundentakt die Gabelstapler heraus.
  • Motoren liefen, Türen wurden geöffnet und geschlossen, Ladepapiere wechselten den Besitzer und irgendwo dazwischen lag dieser ganz besondere Geruch von Diesel, Stahl, Holzpaletten und frisch verladenen Waren.

“Neuss”

  • Neuss liegt in Nordrhein-Westfalen unmittelbar am westlichen Rheinufer gegenüber von Düsseldorf und gehört heute zum Rhein-Kreis Neuss.
  • Die Stadt blickt auf eine mehr als 2.000-jährige Geschichte zurück. Bereits um 16 vor Christus errichteten die Römer dort ein Militärlager, aus dem sich später die Siedlung Novaesium entwickelte.

”Der Hafen und die Lage am Rhein machten Neuss schon früh zu einem bedeutenden Handelsplatz”

  • Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Industrie- und Wirtschaftsstandort.
  • Heute leben dort mehr als 160.000 Menschen; zum 1. Januar 2026 weist die Stadtverwaltung 161.224 Einwohner aus.

”Aber damals interessierte mich die mehr als 2.000-jährige Geschichte von Neuss herzlich wenig”

  • Für mich begann an diesem Morgen eine völlig andere Geschichte.
  • Meine erste große internationale Tour nach Spanien lag vor mir.
  • Ich war noch neu in diesem Geschäft, und obwohl ich natürlich wusste, dass ich einen schweren Lkw fahren konnte, war Spanien für mich zu diesem Zeitpunkt eine Welt, die ich bisher nur aus Erzählungen, Landkarten und Bildern kannte.

“24 Tonnen Altbier und der erste große Auftrag”

  • Dann kam endlich mein Name beziehungsweise mein Fahrzeug an die Reihe.
  • Der Staplerfahrer kam auf mich zu und begann mit dem Beladen.
  • Was dann in meinen Auflieger kam, werde ich wahrscheinlich niemals vergessen:

”24 Tonnen Altbier, abgefüllt in Fässern ausAluminium”

  • Für einen jungen Fahrer, der seine erste internationale Spanien-Tour vor sich hatte, war das schon ein ziemlich beeindruckender Anblick.
  • Nachdem die letzte Ladung verstaut war, ging es ins Büro.
  • Nun begann der Papierkrieg, der zum internationalen Fernverkehr genauso gehörte wie der Diesel im Tank und der Kaffee an der Raststätte.
  • Lieferscheine wurden kontrolliert, die Frachtpapiere zusammengestellt und die Zollunterlagen vorbereitet.
  • Dazu kam die Plombe, also das Siegel für den Laderaum, mit dem dokumentiert wurde, dass der verschlossene Transportbereich nach der Verplombung nicht unbemerkt geöffnet worden war.

“Und dann gab es natürlich den CMR”

  • Der Begriff CMR steht für „Convention relative au contrat de transport international de marchandises par route“, also das Übereinkommen über den Beförderungsvertrag im internationalen Straßengüterverkehr.
  • Das Übereinkommen wurde am 19. Mai 1956 in Genf abgeschlossen und regelt unter anderem den internationalen Straßengütertransport, die Beförderungsbedingungen und die Haftung des Frachtführers.

”Der CMR-Frachtbrief”

  • Der CMR-Frachtbrief dokumentiert wesentliche Angaben über Absender, Frachtführer, Empfänger, Übernahme- und Ablieferort, Warenart, Verpackung, Menge beziehungsweise Gewicht und weitere transportrelevante Angaben.
  • Nach dem Übereinkommen wird der Beförderungsvertrag durch die Ausstellung des Frachtbriefs bestätigt

”Grundsätzlich sind drei Originalausfertigungen vorgesehen”

  • Damals war das alles noch Papier, Stempel, Unterschriften und Durchschläge.
  • Keine E-Mail, kein Scanner, kein Smartphone und kein elektronischer CMR.
  • Was heute mit wenigen Mausklicks erledigt wird, bedeutete damals richtige Büroarbeit.

“Luxemburg, zwei Tanks voller Diesel und eine Rechnung, die heute nostalgisch wirkt”

  • Irgendwann war alles erledigt.
  • Die Türen waren geschlossen, die Plombe angebracht und die Papiere lagen griffbereit in der Fahrerkabine.

“Dann hieß es endlich”

  • Motor an und los!
  • Von Neuss ging es Richtung Luxemburg.
  • Dort wurde zunächst getankt und ein wenig eingekauft.
  • Zwei Tankfüllungen mit jeweils 400 Litern Diesel gingen in die großen Fahrzeugtanks.
  • Zusätzlich bekam der Kühlkoffer weitere 125 Liter Diesel für das Kühlaggregat.

”Damit reden wir bei dieser ersten Etappe über insgesamt 925 Liter Diesel”

  • Für Luxemburg lässt sich der historische Kraftstoffpreis tatsächlich anhand zeitgenössischer europäischer Preisstatistiken nachvollziehen.
  • Das luxemburgische Wirtschaftsministerium weist für 1983 beim Straßen-Diesel einen durchschnittlichen Preis von 0,466 Euro je Liter aus.
  • Zeitgenössische europäische Statistiken führen die Preise damals noch in Luxemburger Franken.

”Die historische Umrechnung in Euro ist deshalb eine nachträgliche Darstellung”

  • Bei 925 Litern ergibt sich mit diesem historischen Jahresdurchschnitt rechnerisch ein Gesamtbetrag von rund 430,55 Euro nach heutiger Euro-Darstellung.
  • Das entspricht 430,55 Euro für 925 Liter beziehungsweise etwa 0,466 Euro je Liter.

“Wichtig ist dabei”

  • Der von der Quelle ausgewiesene Kraftstoffpreis ist bereits ein Verbraucherpreis.
  • Die Mehrwertsteuer wird also nicht einfach noch einmal oben draufgeschlagen.
  • Außerdem änderte Luxemburg seinen normalen Mehrwertsteuersatz im Jahr 1983.
  • Bis zum 30. Juni 1983 betrug er 10 Prozent, ab dem 1. Juli 1983 12 Prozent.

”Und genau hier merkt man, wie weit diese Zeit zurückliegt”

  • Ein 40-Tonner, 24 Tonnen Bier, 925 Liter Diesel und ein Fahrer mit einem Bündel Papier im Arm – so begann damals mein Abenteuer Spanien.

“Von Luxemburg über Metz, Langres und Dijon bis nach Mâcon”

  • Von Luxemburg ging es weiter Richtung Metz.
  • Danach führte mich die Reise über Langres, Dijon und weiter nach Mâcon.

”Ich war nicht allein unterwegs”

  • In Luxemburg hatten sich mehrere Kollegen gefunden, die ebenfalls Richtung Süden unterwegs waren, und so fuhr ich mitten in einer kleinen Kolonne erfahrener Fernfahrer.
  • Für mich war das beruhigend.
  • Ich konnte mich an den Fahrzeugen vor mir orientieren und gleichzeitig feststellen, wie selbstverständlich sich diese Männer auf den großen europäischen Straßen bewegten.
  • Die Landschaft veränderte sich langsam.
  • Hinter uns lag der Norden Europas, vor uns öffnete sich Frankreich.
  • Die Straßen, die Orte und die Landschaften wurden für mich zu einem riesigen Bilderbuch, das sich Kilometer für Kilometer vor meiner Windschutzscheibe entfaltete.

”In Mâcon kam schließlich der Zeitpunkt für die erste große Pause”

  • Wir fuhren gemeinsam auf den Rasthof einer BP-Tankstelle.
  • Für mich war dieser Abend etwas ganz Besonderes.
  • Nach den vielen Kilometern, dem Lärm des Motors und der Konzentration auf die Straße saß ich plötzlich mit mehreren erfahrenen Kollegen zusammen.
  • Es wurde gegessen, erzählt, gelacht und natürlich über die unterschiedlichsten Geschichten aus dem Fernverkehr gesprochen.

”Nach rund zehn Stunden Ruhe ging es wieder weiter”

  • Heute würde man vieles davon unter völlig anderen gesetzlichen Rahmenbedingungen betrachten.
  • Die bekannten europäischen Regeln mit 4,5 Stunden Lenkzeit und anschließend mindestens 45 Minuten Pause wurden in dieser Form durch die spätere Verordnung EWG 3820/85 festgeschrieben.
  • Die ältere Verordnung EWG 543/69, die für die frühen 1980er Jahre maßgeblich war, enthielt noch andere Lenk- und Pausenregelungen.
  • Für die Erzählung meiner ersten Tour halte ich deshalb die von mir erinnerte Fahrweise und den damaligen Ablauf fest, ohne diese später eingeführten 4,5-Stunden-Regeln rückwirkend als exakt geltendes Recht des Jahres 1983 auszugeben.

“Lyon, die Tunnel und das Atomkraftwerk von Montélimar”

  • Von Mâcon ging es weiter Richtung Lyon.
  • Die Durchfahrt durch Lyon war für mich ein Erlebnis.
  • Mitten durch die Stadt, durch mehrere Tunnel und anschließend wieder hinaus auf die großen Verkehrsachsen Richtung Süden.
  • Ich saß hinter dem Lenkrad und hatte das Gefühl, dass Europa immer größer wurde, je weiter ich nach Süden kam.

”Hinter Lyon ging es Richtung Valence und anschließend weiter nach Montélimar”

  • Dort tauchte rechts neben der Strecke ein Motiv auf, das sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt hat: das große Atomkraftwerk von Tricastin.
  • Die Anlage liegt südlich von Montélimar im Rhônetal und gehört zu den markanten technischen Bauwerken dieser Region.
  • Doch was mich damals besonders beeindruckte, war nicht nur das Kraftwerk selbst.
  • Es war die großflächige Gestaltung, die ich aus dem Führerhaus wahrnahm und die mit einem kindlichen Motiv verbunden war.

“Für mich war das ein eigenartiger Gegensatz”

  • Gewaltige industrielle Technik auf der einen Seite und ein kleines Kind, das scheinbar unbeschwert im Sand spielte, auf der anderen.
  • Von Montélimar ging es weiter Richtung Orange.
  • Dort änderte sich die Landschaft erneut.
  • Wir fuhren weiter nach Nîmes, Montpellier, vorbei an Narbonne und Perpignan und schließlich immer näher an die spanische Grenze.
  • Je weiter wir nach Süden kamen, desto stärker spürte ich die Veränderung.
  • Die Luft wurde wärmer, die Landschaft mediterraner und die Sehnsucht nach Spanien wuchs mit jedem Kilometer.
  • La Jonquera – die erste Begegnung mit einer völlig neuen Welt!

“Dann kam La Jonquera”

  • Für mich war dieser Grenzort damals der Moment, in dem sich meine bisherige Vorstellung vom Fernverkehr endgültig geändert hat.
  • Wir fuhren auf das große Zollgelände und stellten unsere Fahrzeuge dort ab.
  • Danach ging es über die N II zu einem kleinen, unscheinbaren Büro, in dem wir unsere Papiere abgeben mussten.
  • Neben dem Zollgelände befand sich ein kleines Restaurant.
  • Und dort bekam ich, wie man unter Fernfahrern so schön sagt, zum ersten Mal richtig den Schlag mit dem Gebetbuch.
  • Für mich war es die erste Tour nach Spanien.

”Was sich dort vor meinen Augen abspielte, war eine Welt, die ich vorher nicht gekannt hatte”

  • Draußen hatte es stark geregnet.
  • Vor der Theke lagen Holzspäne, zertretene Zigaretten und nasser Schmutz, der durch die Schuhe der Gäste ins Lokal getragen worden war.
  • Einer meiner Kollegen begann zu grinsen, nahm mich zur Seite und erklärte mir trocken, dass das alles völlig normal sei und ich in meiner weiteren Fernfahrerkarriere garantiert noch ganz andere Dinge erleben werde.

”Wir saßen schließlich zu sechst an einem Tisch und warteten auf die Bedienung”

  • Dann kam eine junge, auffallend schöne Spanierin mit langen schwarzen Haaren zu uns.
  • Für mich war das auch ein Teil dieser völlig neuen Welt.
  • Ich hatte damals von der spanischen Küche noch keine Ahnung und machte deshalb etwas, das für einen unerfahrenen Spanienfahrer wahrscheinlich ziemlich typisch war:

”Ich zeigte einfach auf ein Bild in der Speisekarte”

  • Es wurde ein Brathähnchen mit Pommes Frites, Mayonnaise und ein Bier.
  • Nach ungefähr 20 bis 25 Minuten kam das Essen.

“Und was soll ich sagen”

  • Für mich war es ein kulinarisches Erlebnis.
  • Das Hähnchen schmeckte völlig anders als das, was ich aus Deutschland kannte.
  • Statt einfach nur mit einer fertigen Gewürzmischung behandelt zu werden, befanden sich verschiedene Kräuter und Gewürze darin.
  • Dazu die knusprigen Pommes und das Bier – nach den vielen Kilometern schmeckte diese einfache Mahlzeit beinahe wie ein Festessen.

”Wir saßen gemeinsam bis ungefähr Mitternacht”

  • Draußen war die Luft inzwischen nicht nur heiß, sondern richtig schwül.
  • Klimaanlagen, wie wir sie heute aus modernen Lastwagen kennen, waren damals in dieser Form für uns nicht selbstverständlich.
  • Also blieben die Fenster offen.
  • Der warme Fahrtwind und die Geräusche der Nacht gehörten einfach dazu.

“Tapas, Carajillo und ein Morgen, den ich nie vergessen habe”

  • Am nächsten Morgen gegen acht Uhr ging es wieder in dieses kleine Restaurant.
  • Und dort lernte ich eine weitere Seite Spaniens kennen.

“Tapas”

  • Was da auf den Tisch kam, sah nicht nur köstlich aus, es schmeckte auch genauso.
  • Kleine Portionen, unterschiedliche Zutaten und Aromen, die für mich völlig neu waren.

”Die Kollegen bestellten dazu einen dunklen Kaffee mit einem Schuss Brandy”

  • „Carajillo“ nannten sie das Getränk.
  • Natürlich musste ich das ebenfalls ausprobieren.
  • Ich nahm einen Schluck und hatte sofort das Gefühl, dass mir jemand von innen die Heizung aufgedreht hatte.
  • Einer meiner Kollegen begann zu grinsen, bestellte sich noch einen zweiten und schaute sich vermutlich schon damals köstlich über mein Gesicht amüsiert an.
  • Es gab zu jener Zeit noch keine sozialen Medien, keine Smartphones und keine Möglichkeit, solche Momente sofort ins Internet zu stellen.

“Dafür gab es Zeitungen”

  • Ich erinnere mich an eine Aktion der Bild-Zeitung, bei der das beste Foto des Tages mit 100 D-Mark belohnt wurde.
  • Wenn damals jemand mein Gesicht nach dem ersten Carajillo fotografiert hätte, hätte ich vermutlich tatsächlich eine Chance gehabt.

“Dann hieß es wieder”

  • Fahrzeug starten, Gang einlegen und weiter.
  • Von La Jonquera ging es vorbei an Figueres in Richtung Girona.
  • Danach folgten zahlreiche kleinere Städte und Dörfer.

”Aus meinem Führerhaus sah Spanien für mich einfach fantastisch aus”

  • Die Architektur, die Landschaft, die Farben und das Licht waren anders als alles, was ich bisher von meinen Fahrten durch Deutschland, Belgien, Luxemburg und Frankreich kannte.
  • Und irgendwann stand es tatsächlich vor mir!
  • Barcelona!

“Barcelona – drei Tage Zoll und mein erstes Treffen mit der Sagrada Família”

  • Barcelona war für mich nicht einfach nur ein Ziel auf dem Frachtpapier.
  • Barcelona war ein Erlebnis.
  • Im Hafen angekommen, mussten wir unsere Fahrzeuge verzollen.
  • Und wie das damals bei internationalen Transporten mit Zollabfertigung eben war, dauerte das Ganze seine Zeit.
  • Aus einem kurzen Aufenthalt wurde schließlich ein mehrtägiger Aufenthalt.

“Insgesamt standen wir dort drei Tage”

  • Die Kollegen nahmen mich mit und zeigten mir Barcelona.
  • Wir gingen durch die Stadt, schlenderten über La Rambla und ließen uns einfach treiben.

“Die La Rambla”

  • La Rambla war und ist eine der bekanntesten Straßen Barcelonas und gehört zu den Orten, die man als Besucher der Stadt einfach einmal erlebt haben muss.
  • Doch dann kam der Moment, der sich bis heute in meinem Gedächtnis festgesetzt hat!

“Ich sah zum ersten Mal die Sagrada Família”

  • Die Sagrada Família ist die berühmte Basilika in Barcelona, die untrennbar mit dem katalanischen Architekten Antoni Gaudí verbunden ist.

”Der Grundstein wurde am 19. März 1882 gelegt”

  • Ursprünglich begann der Architekt Francisco de Paula del Villar mit einem neugotischen Entwurf.
  • Bereits 1883 übernahm Antoni Gaudí das Projekt und entwickelte daraus seine außergewöhnliche Vision eines monumentalen Sakralbaus.

”Gaudí arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 1926 an dem Bauwerk”

  • Während des Spanischen Bürgerkriegs wurden 1936 Teile der Werkstatt zerstört, Pläne verbrannt und Gipsmodelle beschädigt.
  • Trotzdem wurde das Projekt weitergeführt.
  • Die Sagrada Família ist deshalb nicht nur eine Kirche, sondern auch ein einzigartiges Zeugnis mehrerer Generationen von Architekten, Handwerkern und Baumeistern.
  • Die von Gaudí gestaltete Geburtsfassade und die Krypta gehören heute zum UNESCO-Welterbe „Werke von Antoni Gaudí“, das 1984 in die Welterbeliste aufgenommen wurde.
  • Für mich war das damals allerdings keine UNESCO-Auszeichnung und kein kunsthistorisches Kapitel.

“Ich stand einfach davor und dachte”

  • Was für ein unglaubliches Bauwerk!
  • Ich hatte so etwas vorher noch nie gesehen.
  • Die Türme, die Formen, die Figuren und die gesamte Architektur wirkten auf mich beinahe wie aus einer anderen Welt.
  • Und genau deshalb ist dieser erste Blick auf die Sagrada Família bis heute eine Erinnerung, die ich niemals vergessen werde.

“Die Strecke von Neuss nach Barcelona – Kilometer, Fahrzeit und die Rechnung eines Fernfahrers”

  • Wenn ich meine damalige Route heute anhand der genannten Orte rekonstruiere, lässt sich die Strecke von Neuss über Luxemburg, Metz, Langres, Dijon, Mâcon, Lyon, Valence, Montélimar, Orange, Nîmes, Montpellier, Narbonne, Perpignan, La Jonquera und schließlich Barcelona auf ungefähr 1.450 bis 1.470 Kilometer beziffern.
  • Die genaue historische Fahrstrecke kann natürlich nicht auf den Kilometer exakt bestimmt werden, weil sich Autobahnführungen, Ortsumfahrungen, Zollzufahrten und Verkehrswege seit den frühen 1980er Jahren verändert haben.

“Zum Vergleich”

  • Heutige Routenplaner weisen für Neuss–Barcelona je nach gewählter Verbindung rund 1.363 Kilometer Straßenentfernung aus.
  • Die von mir beschriebene südfranzösische Route über die genannten Zwischenorte ist entsprechend länger.

”Für die historische Tour rechne ich deshalb mit rund 1.460 Kilometern”

  • Bei einer für einen damaligen schweren 40-Tonner realistischen durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von etwa 70 km/h ergibt sich eine reine Lenkzeit von ungefähr 20 Stunden und 50 Minuten.
  • Bei einer langsameren Durchschnittsgeschwindigkeit von 65 km/h wären es etwa 22 Stunden und 30 Minuten.
  • Legt man meine erinnerte Pausenregel zugrunde, also nach jeweils 4,5 Stunden Fahrzeit eine 45-minütige Pause und nach etwa zehn Stunden Fahrzeit eine längere Ruhephase von zehn Stunden, ergibt sich für die reine Strecke ein Gesamtzeitbedarf von ungefähr 34 bis 36 Stunden, bevor zusätzliche Verzögerungen durch Tanken, Zoll, Grenzformalitäten, Verkehr, Stadtfahrten oder andere Wartezeiten berücksichtigt werden.

“Dabei muss man historisch sauber unterscheiden”

  • Die 4,5 Stunden Lenkzeit plus 45 Minuten Pause sind in dieser Form aus der späteren europäischen Regelung EWG 3820/85 bekannt.
  • Die ältere EWG-Verordnung 543/69, die bereits seit 1969 galt und für die frühen 1980er Jahre relevant war, sah für bestimmte Güterverkehrsfahrzeuge noch andere Grenzen vor, darunter grundsätzlich acht Stunden tägliche Lenkzeit mit begrenzten Verlängerungsmöglichkeiten und andere Pausenregelungen.
  • Und dann waren da natürlich noch die drei Tage in Barcelona.
  • Drei Tage Zollhof, Papierarbeit, Warten, Essen in kleinen Restaurants und zwischendurch Barcelona entdecken.
  • Für einen jungen Fahrer auf seiner ersten Spanien-Tour waren diese drei Tage mindestens genauso wichtig wie die knapp 1.460 Kilometer auf der Straße.

“Wenn aus einer Tour ein Stück Lebensgeschichte wird”

  • Wenn ich heute an diese erste Fahrt zurück denke, dann sehe ich nicht nur einen 40-Tonner vor mir.

”Ich sehe einen jungen Fahrer, der frühmorgens in Neuss zwischen unzähligen Lastwagen stand und noch nicht wusste, welche Geschichten diese erste Tour für ihn bereithalten würde”

  • Ich sehe die Stapler, die im Sekundentakt aus den Lagerhallen kamen.
  • Ich höre noch das Geräusch der Ladung, die in den Auflieger wanderte.
  • Ich sehe die 24 Tonnen Altbier in ihren Fässern aus Aluminium.
  • Ich sehe die Papiere, den CMR und die Plombe auf dem Schreibtisch.
  • Ich sehe die ersten Tankstellen in Luxemburg, die französischen Straßen, Lyon, die Tunnel, das Rhônetal, Montélimar und die Landschaft Südfrankreichs.
  • Ich sehe La Jonquera im Regen, das kleine Restaurant, die Holzspäne auf dem Boden, die zerdrückten Zigaretten und die nassen Schuhe der Fernfahrer.

”Ich schmecke noch immer dieses erste spanische Brathähnchen mit seinen Kräutern”

  • Ich erinnere mich an Tapas und an den ersten Carajillo, der mir beinahe die Hose ausgezogen hätte.

“Und dann sehe ich Barcelona.“

  • Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen einer normalen Fahrt und einer echten Reise als Fernfahrer.
  • Kilometer verschwinden irgendwann aus dem Gedächtnis.
  • Mautstellen, Tankrechnungen und Fahrzeiten werden zu Zahlen auf Papier.
  • Aber Menschen, Gerüche, Landschaften, kleine Restaurants, gemeinsame Abende und der erste Blick auf ein Bauwerk wie die Sagrada Família bleiben.
  • Meine erste Tour von Neuss nach Spanien war deshalb nicht einfach nur eine internationale Güterbeförderung mit einem 40-Tonner und 24 Tonnen Altbier.

”Sie war der Beginn eines Stücks meines Lebens auf Europas Straßen”

  • Eine Reise von Nordrhein-Westfalen über Luxemburg und Frankreich bis nach Katalonien – mit Diesel im Tank, Fracht im Rücken, Papier im Handschuhfach und einer großen Portion Fernweh im Herzen.
  • Und vielleicht war genau das die schönste Ladung, die ich auf dieser ersten Fahrt nach Spanien mitgenommen habe.
  • Erinnerungen, die selbst nach mehr als vier Jahrzehnten noch immer nicht gelöscht sind.
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