„Ende Dezember 1983“
- Weihnachten war gerade vorbei.
- Für mich bedeutete das damals allerdings nicht automatisch Ruhe und Feiertage.
- Ich war Berufskraftfahrer.
- Und wenn ein neuer Ferntransport kam, konnte aus einem gemütlichen Abend zu Hause innerhalb weniger Minuten wieder Arbeitsalltag werden.
„Wenn der nächste Auftrag kam“
- Wir saßen zu Hause im Wohnzimmer.
- Meine damalige Frau Elke und ich sahen fern.
- Auch „Wetten, dass..?“ mit Frank Elstner gehörte damals zu unseren Fernsehabenden.
- Unser Sohn Dirk war gerade geboren.
- Eigentlich war es eine gemütliche Zeit.
- Doch bei diesen geplanten Ferntransporten konnte jederzeit der nächste Auftrag kommen.
„Die Aufträge wurden per Telefax übermittelt“
- In der Regel kamen sie am Abend zwischen etwa 20 und 22 Uhr.
- Wenn das Fax eintraf, war die Fahrstrecke bereits vorgegeben.
- Meine Segeltuchtasche war deshalb grundsätzlich gepackt.
- Draußen vor der Tür stand mein 7er BMW bereit.
- Dazu kam eine kleine Kühltasche mit Lebensmitteln.
- Im BMW gab es einen Zigarettenanzünder, über den ich die Kühltasche während der Fahrt betreiben konnte.
- Über Nacht ließ ich sie allerdings nicht laufen.
- Die Lebensmittel waren bereits ausreichend gekühlt und blieben bis zur Abfahrt am frühen Morgen kalt.
- Meistens ging es zwischen 5 und 6 Uhr los.
- Elke war von diesen spontanen Aufbrüchen natürlich nicht immer begeistert.
- Ihr Gesichtsausdruck war manchmal Gold wert.
- Ich musste dann einfach still vor mich hin grinsen.
„Von Düsseldorf zunächst leer nach Ramstein“
- Wir fuhren zunächst leer von Düsseldorf nach Ramstein in Rheinland-Pfalz.
- Der Kühlauflieger war zu diesem Zeitpunkt noch unbeladen und nicht versiegelt.
- Erst in Ramstein begann der eigentliche Transport.
- Dort wurde der Auflieger für die amerikanischen beziehungsweise NATO-Streitkräfte beladen.
- Es ging um Lebensmittel, Tiefkühlware, Kühlware und weitere Versorgungsgüter.
- Darunter war auch amerikanisches Beef.
- Und das war wirklich tolles, geiles Beef.
- Die Ladung wurde mit Gabelstaplern in den Auflieger gebracht.
- Die Tiefkühlware wurde bis ganz nach vorne an die Stirnwand geschoben.
- Danach schob ich die bewegliche Trennwand nach vorne.
- Sie konnte heruntergeklappt werden und hatte dafür Stoßdämpfer.
- Unten wurde sie links und rechts mit Verriegelungen gesichert.
- Zusätzlich setzte ich noch Sperrbalken ein.
- Anschließend wurde der Auflieger in Ramstein versiegelt.
- Dazu kam ein Containerschloss.
- Damit war die Ladung für die weitere Fahrt gesichert.
„Ramstein – amerikanische Transportmaschinen“
- Ramstein war für mich damals nicht nur der Ort, an dem die Ladung übernommen wurde.
- Der Flugplatz selbst war beeindruckend.
- Dort standen riesige amerikanische Transportmaschinen.
- Wenn die Triebwerke gestartet wurden, war das eine andere Welt.
- Der Lärm war gewaltig.
- Man spürte die Kraft der Maschinen regelrecht.
- Die Vibrationen gingen durch den ganzen Körper.
- Manchmal musste man im Fahrerhaus alles dichtmachen.
- Besonders die riesigen C-5-Galaxy-Maschinen passen zu den Flugzeugen, die damals dort standen.
- Für mich als Fernfahrer war dieser Anblick beeindruckend.
- Ich stand mit meinem Kühlauflieger dort.
- Gleichzeitig bewegten sich diese gewaltigen amerikanischen Transportmaschinen über den Flugplatz.
„Mit der Rollenden Landstraße über die Alpen“
- Von Ramstein fuhren wir weiter Richtung Süden.
- Ein wichtiger Abschnitt führte über die Rollende Landstraße.
- In Wörgl wurde der komplette Lkw auf spezielle Tiefladeplattformen verladen.
- Die Lkw fuhren von hinten auf den Zug.
- Der Fahrer blieb bei seinem Fahrzeug.
- Für uns Fahrer gab es einen Begleitwagen.
- Dort konnten wir uns ausruhen und schlafen.
- Es gab sogar eine kleine Küche.
- Dort bekamen wir unter anderem Brötchen und Bockwurst mit Senf.
- Das war einfach, aber es gehörte zu diesen Fahrten dazu.
- Von Wörgl ging es weiter in Richtung Trento.
- Danach fuhren wir durch Italien weiter nach Süden.
„Durch Italien Richtung Süden“
- Wir fuhren durch Italien weiter Richtung Süden.
- Irgendwann ging es auf die sardischen Transportwege.
- Schließlich erreichten wir Olbia.
- Damit war ein weiterer wichtiger Abschnitt dieser Fahrt geschafft.
- Aber die Fahrt war noch lange nicht zu Ende.
„Die Güterschiffe nach Sardinien“
- Die Schiffe, mit denen solche Transporte durchgeführt wurden, waren keine klassischen Urlaubsschiffe.
- Es ging in erster Linie um Güterverkehr.
- Dazu gehörten unter anderem die Staffetta Mediterranea, die Staffetta Ligure und die Staffetta Jonica.
- Diese Schiffe konnten zahlreiche Sattelauflieger beziehungsweise Fahrzeuge transportieren.
- Der Lkw blieb dabei im Schiffsbauch.
- Für uns Fahrer bedeutete die Überfahrt vor allem eine Möglichkeit, einmal ausspannen zu können.
- Es gab Schlafmöglichkeiten und Gemeinschaftsräume.
- Es gab auch unterschiedliche Kabinen für Fahrerinnen und Fahrer.
- Dazu kamen kleine Einkaufsmöglichkeiten an Bord.
- Das war keine Kreuzfahrt.
- Das war Bestandteil des Transportes.
- Der Lkw fuhr mit.
- Wir Fahrer konnten währenddessen essen, einkaufen, schlafen und uns ausruhen.
„Olbia und mein kleines Eis-Ritual“
- Wenn wir in Olbia ankamen, öffnete sich am Heck des Schiffes das große Tor.
- Dann fuhren wir mit den Lkw hinaus in den Hafen.
- Bevor ich weiterfuhr, gab es für mich allerdings noch ein kleines Ritual.
- In der Nähe des Hafens gab es eine kleine Eisdiele.
- Dort holte ich mir mein Eis.
- Und dieses Eis ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben.
- Milcheis.
- Richtiges Milcheis.
- Kein Eis mit Wasser oder irgendein anderes Zeug.
- Es war richtig gutes Milcheis.
- Dazu gab es Waffeln.
- Den Namen der Eisdiele kenne ich heute nicht mehr.
- Deshalb lassen wir ihn einfach weg.
- Aber das Eis aus Olbia gehört für mich bis heute zu dieser Fahrt.
„Von Olbia weiter nach La Maddalena“
- Nach dem kurzen Zwischenstopp fuhren wir weiter.
- Unser Ziel lag in Richtung La Maddalena.
- Von dort ging es weiter zum militärischen Bereich auf Santo Stefano.
- Dort befand sich die amerikanische U-Boot-Flotte beziehungsweise deren logistischer und operativer Unterstützungsbereich.
- Für einen normalen Fernfahrer war das ein ungewöhnliches Ziel.
- Wir kamen mit einem ganz normalen Kühlauflieger.
- Die Ladung war jedoch für einen militärischen Bereich bestimmt.
„Santo Stefano und die amerikanische U-Boot-Flotte“
- Die zeitliche Einordnung dieser Fahrt ist besonders interessant.
- Das amerikanische U-Boot-Geschwader COMSUBRON 22 wurde im Oktober 1983 eingerichtet.
- Unsere Fahrt Ende Dezember 1983 fiel damit genau in diese Zeit.
- Auf Santo Stefano befand sich ein wichtiger Bereich für die Versorgung und Unterstützung der amerikanischen U-Boote in der Region La Maddalena.
- Für mich war das damals allerdings keine historische Recherche.
- Ich war dort, weil ich einen Auftrag hatte.
- Die Ware musste ans Ziel.
- Ich musste fahren, liefern und anschließend wieder zurück.
- Dort gab es auch eine besondere Abfertigung für die militärischen beziehungsweise NATO-bezogenen Transporte.
- Auch das gehörte damals einfach zum Ablauf.
„Zwischen Fernverkehr und Kaltem Krieg“
- Damals habe ich diese Fahrt vor allem als Arbeit erlebt.
- Ich musste Geld verdienen.
- Meine Familie wartete zu Hause.
- Mein Sohn Dirk war gerade geboren.
- Romantik spielte dabei keine Rolle.
- Wenn man viele Stunden am Steuer sitzt, denkt man nicht ständig darüber nach, dass man gerade durch eine Welt fährt, die vom Kalten Krieg geprägt ist.
- Man fährt.
- Man arbeitet.
- Man wartet.
- Man schläft.
- Und irgendwann fährt man wieder weiter.
- Heute sehe ich diese Fahrt allerdings mit anderen Augen.
- Ramstein.
- Amerikanische Transportflugzeuge.
- Die Rollende Landstraße.
- Italien.
- Das Meer.
- Die Schiffe nach Sardinien.
- Olbia.
- Mein Eis.
- La Maddalena.
- Santo Stefano.
- Und im Hintergrund die amerikanische U-Boot-Flotte.
- Aus einem normalen Transportauftrag ist inzwischen ein Stück Zeitgeschichte geworden.
„Die Romantik kam erst später“
- Damals war die Fahrt Stress.
- Heute ist sie Erinnerung.
- Und vielleicht ist genau das die eigentliche Romantik solcher alten Fernfahrergeschichten.
- Man erlebt etwas und merkt zunächst gar nicht, dass man sich Jahrzehnte später noch daran erinnern wird.
- Heute sitze ich im Pflegebett in der Eifel.
- Und trotzdem kann ich manche dieser alten Fahrten gedanklich noch einmal erleben.
- Ich sehe den Kühlauflieger vor mir.
- Ich höre die Geräusche der Kühlmaschine.
- Ich sehe die riesigen Flugzeuge in Ramstein.
- Ich erinnere mich an die Rollende Landstraße.
- Ich sehe die Schiffe vor mir.
- Und irgendwo dazwischen liegt immer noch dieses Eis aus Olbia.
- Die Fahrt war damals Arbeit.
- Die Erinnerung daran ist heute Geschichte geworden.
„Mein Fazit“
- Die Fahrt von Düsseldorf nach Santo Stefano war für mich Ende 1983 ein Ferntransport wie viele andere.
- Heute weiß ich, dass sie alles andere als gewöhnlich war.
- Wir fuhren von Düsseldorf zunächst nach Ramstein.
- Dort übernahmen wir die Ladung.
- Anschließend ging es über die Rollende Landstraße und durch Italien weiter Richtung Sardinien.
- Von Olbia führte die Fahrt weiter nach La Maddalena und Santo Stefano.
- Ich transportierte Versorgungsgüter für einen militärischen Bereich.
- Dabei bewegte ich mich mitten durch eine Welt, die unmittelbar mit dem Kalten Krieg verbunden war.
- Damals habe ich darüber nicht lange nachgedacht.
- Ich musste meinen Auftrag erledigen.
- Heute, mehr als vierzig Jahre später, sehe ich diese Fahrt mit ganz anderen Augen.
- Aus Stress wurde Erinnerung.
- Aus einem Transportauftrag wurde ein Stück meiner persönlichen Berufsgeschichte.
- Und aus einer Fahrt, die damals einfach nur Geld für die Familie bringen musste, wurde eine Geschichte, die ich heute noch erzählen kann.





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