• Es war im August 1984.
  • Ich saß mit meiner damaligen Frau Elke zu Hause in Düsseldorf auf dem Sofa. Unser Sohn Dirk war gerade einmal ein Jahr alt. Wir waren eine junge Familie, und mein Berufsleben spielte sich damals hauptsächlich hinter dem Lenkrad eines Lastwagens ab.
  • An diesem Abend schauten Elke und ich „Wetten, dass..?“ im Fernsehen.
  • Plötzlich meldete sich das Telefax.
  • Dieses Geräusch kannte ich. Wenn das Gerät am Abend oder in der Nacht anfing zu rattern, konnte das für mich bedeuten, dass sich meine Pläne für den nächsten Tag schlagartig änderten.
  • Und genau so kam es.

„Der nächste Morgen – Düsseldorf, Großmarkt“

  • Der Auftrag war da. Ich sollte am nächsten Morgen um sieben Uhr am Düsseldorfer Großmarkt sein.
  • Eine Fahrt nach Südfrankreich und weiter nach Spanien stand an.
  • Damals war ich angestellter Berufskraftfahrer. Ich war verheiratet, hatte einen kleinen Sohn und lebte mit meiner Familie in Düsseldorf. Von einer eigenen Wohnung in Spanien konnte zu diesem Zeitpunkt noch keine Rede sein.
  • Ich wusste, dass ich mit meinem Kühllastzug eine lange Strecke vor mir hatte. Was ich damals noch nicht wissen konnte: Diese Fahrt sollte später zu einer ganz besonderen Erinnerung werden.

„Mein Name ist Jakob Diener“

  • Ich bin freiberuflicher Journalist aus Nordrhein-Westfalen und ehemaliger Berufskraftfahrer mit jahrzehntelanger Erfahrung im Güterverkehr.
  • Ich habe die Welt nicht nur aus dem Fenster eines Pkw kennengelernt, sondern aus dem Fahrerhaus eines Lastwagens. Dabei ging es um Termine, Ladung, Technik, Verkehr, Grenzkontrollen und die Verantwortung für das Fahrzeug und die transportierten Waren.
  • Doch wer lange Strecken fährt, erlebt noch etwas anderes. Er sieht Landschaften, Städte und Menschen, die vielen Reisenden verborgen bleiben.
  • Und manchmal entsteht aus einem ganz normalen Transportauftrag eine Geschichte, die einen Menschen noch Jahrzehnte später beschäftigt.

„Rund 1.500 Kilometer bis an die Mittelmeerküste“

  • Die Fahrt führte mich von Düsseldorf aus in Richtung Süden.
  • Auf meiner damaligen Route lagen unter anderem die Gegend um Köln und die Eifel, Bitburg und Prüm, bevor ich Luxemburg erreichte. Von dort ging es weiter durch Frankreich.
  • Luxemburg war für viele deutsche Berufskraftfahrer ein willkommener Zwischenstopp. Kraftstoff war dort häufig günstiger als in Deutschland.
  • Auch Kaffee und Tabakwaren spielten beim sogenannten Tanktourismus eine Rolle.
  • Ich selbst war Nichtraucher. Trotzdem gehörten solche Einkaufsmöglichkeiten zum Alltag vieler Fahrer, die regelmäßig durch Luxemburg kamen.
  • Für mich ging es danach weiter in Richtung Metz, Dijon und Mâcon.
  • Die genaue Entfernung hängt von der gewählten Strecke und den jeweiligen Ausgangs- und Zielpunkten ab.
  • Für die gesamte Fahrt von Düsseldorf über Südfrankreich bis in die Gegend von Cambrils sind rund 1.500 Kilometer eine plausible Größenordnung.

„Mâcon – eine Erinnerung an den Rasthof“

  • In der Gegend von Mâcon erinnere ich mich an eine BP-Station, die für Fernfahrer mehr zu bieten hatte als nur Kraftstoff.
  • Dort gab es nach meiner Erinnerung einen größeren Verkaufsbereich mit allerlei Dingen, die man unterwegs gebrauchen konnte.
  • Dazu gehörten Zubehör für Lastwagen, Wimpel und sogar kleine Schwarz-Weiß-Fernsehgeräte.
  • Solche Stationen waren für uns Fahrer wichtige Anlaufpunkte.
  • Ein Lastwagen war damals schließlich nicht nur ein Fahrzeug, mit dem man von A nach B fuhr.
  • Das Fahrerhaus war Arbeitsplatz und für viele Stunden am Tag auch ein Stück Lebensraum.
  • Man musste unterwegs essen, tanken, Pausen machen und sich um die Technik kümmern. Und manchmal gönnte man sich etwas, das den Alltag auf der Straße angenehmer machte.

„Durch das französische Rhônetal“

  • Von Mâcon aus ging es weiter in Richtung Lyon, anschließend über Valence nach Avignon.
  • Die Landschaft veränderte sich.
  • Die Strecke führte durch das Rhônetal, vorbei an Ortschaften, landwirtschaftlich genutzten Flächen und den Berglandschaften Südostfrankreichs.
  • Im August zeigte sich die Gegend sommerlich.
  • Ich erinnere mich an die weiten Ausblicke, die grünen Streifen entlang der Straßen und die Landschaften, die man aus der erhöhten Sitzposition eines Lastwagens besonders gut wahrnehmen konnte.
  • Wer nur mit dem Pkw unterwegs ist, erlebt die Straße anders.
  • Vom Fahrerhaus aus sieht man vieles, was sich hinter Leitplanken, auf Feldern oder am Horizont abspielt.
  • Natürlich muss man als Berufskraftfahrer auf den Verkehr achten. Man kann nicht ständig in die Landschaft schauen. Aber die Eindrücke bleiben trotzdem hängen.

„Avignon – die erste Entladung“

  • Avignon war ein wichtiger Zwischenpunkt meiner Fahrt.
  • Dort wurde ungefähr die Hälfte meiner Ladung entladen.
  • Ich war mit einem Kühllastzug unterwegs, und bei einem solchen Transport ging es nicht allein darum, Waren von einem Ort zum anderen zu bringen.
  • Die Temperatur musste stimmen, die Ladung musste gesichert bleiben, und die Abwicklung musste funktionieren.
  • Ein Teil der Arbeit bestand darin, die richtige Ware am richtigen Ort abzuliefern.
  • Nach meiner Erinnerung wurde anschließend frischer Fisch geladen, der aus dem Raum Marseille gekommen sein soll.
  • Die genaue Lieferkette und der damalige Großhandelsbetrieb müssten noch anhand historischer Unterlagen geklärt werden.
  • Für mich war das damals zunächst ein Transportauftrag. Rückblickend wird aber deutlich, wie eng die verschiedenen Bereiche des Lebensmittelhandels miteinander verbunden waren.
  • Ein Fahrzeug konnte Waren aus einer Region aufnehmen, sie an einem anderen Ort abliefern und anschließend eine neue Ladung für den nächsten Abschnitt übernehmen.
  • So funktionierte internationaler Güterverkehr lange vor den heutigen digitalen Logistiksystemen.

„Frische Ware und die Verantwortung des Kühltransports“

  • Bei leicht verderblichen Lebensmitteln ist die Kühltechnik keine Nebensache.
  • Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des Transports.
  • Die Ware muss während der Fahrt unter den vorgesehenen Bedingungen gehalten werden.
  • Gleichzeitig müssen Ladungssicherung, Fahrzeugzustand und die Abläufe an den Be- und Entladestellen stimmen.
  • Die Technik hilft dem Fahrer, aber sie nimmt ihm die Verantwortung nicht ab.
  • Auch die Fahrweise spielt eine Rolle.
  • Wer mit einem schweren Lastzug unterwegs ist, kann nicht so reagieren wie ein Pkw-Fahrer.
  • Der Bremsweg ist länger, das Gewicht wirkt sich auf das Fahrverhalten aus, und jede unnötige Vollbremsung kann den Ablauf einer Fahrt durcheinanderbringen.
  • Ich habe damals erlebt, wie Pkw-Fahrer vor einem Lastzug einscherten und anschließend stark abbremsten. Solche Situationen waren ärgerlich und gefährlich.
  • Meine Ladung war ordentlich gesichert.
  • Trotzdem versucht man als Berufskraftfahrer, solche Manöver möglichst zu vermeiden.
  • Man fährt vorausschauend, hält Abstand und muss ständig damit rechnen, dass andere Verkehrsteilnehmer die Situation falsch einschätzen.

„Weiter in Richtung Mittelmeer“

  • Nach der Entladung und der weiteren Abwicklung ging es von Avignon aus weiter nach Süden.
  • Die Route führte über die Gegend von Perpignan und Le Boulou in Richtung spanische Grenze.
  • Dort lag La Jonquera, ein Ort, der für den grenzüberschreitenden Güterverkehr eine besondere Bedeutung hatte.
  • Für Fahrer war das nicht einfach eine unsichtbare Linie auf einer Landkarte.
  • Eine Grenze bedeutete Kontrollen, Dokumente, Wartezeiten und die Abwicklung der transportierten Güter.
  • Man traf andere Fahrer, tauschte Erfahrungen aus und nutzte die Gelegenheit, etwas zu essen oder zu trinken.
  • Auf solchen Strecken kannte man irgendwann die typischen Anlaufpunkte und wusste, wo man andere Fernfahrer antreffen konnte.

„La Jonquera – die Grenze zwischen zwei Ländern“

  • 1984 war die Grenze zwischen Frankreich und Spanien für den internationalen Warenverkehr noch mit deutlich mehr Formalitäten verbunden als heute.
  • Die Europäische Gemeinschaft war noch nicht der heutige Binnenmarkt.
  • Waren mussten entsprechend den geltenden Vorschriften abgefertigt werden, und die Zollabwicklung spielte eine wichtige Rolle.
  • Welche Unterlagen bei meinem konkreten Transport verwendet wurden und welche einzelnen Schritte damals an meinem Fahrzeug vorgenommen wurden, möchte ich nicht nachträglich erfinden.
  • Dafür müsste man die damaligen Frachtpapiere oder die einschlägigen Zollvorschriften genauer untersuchen.
  • Was für mich als Fahrer zählte, war die praktische Seite.
  • Die Ware musste korrekt abgefertigt werden, die Fahrt musste weitergehen, und die nächste Entladestelle wartete.
  • Nach der Grenzabwicklung ging es weiter nach Barcelona.

„Barcelona – Mercabarna“

  • Mein Ziel in Barcelona war der Großmarkt Mercabarna.
  • Dort wurde der verbliebene Teil der Ladung entladen.
  • Für mich war das ein logistischer Umschlagplatz, an dem Lebensmittel in größeren Mengen gehandelt und weiterverteilt wurden.

„Aus heutiger Sicht ist ein historisches Detail besonders interessant“

  • Der zentrale Fischmarkt von Mercabarna hatte seinen Betrieb erst in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 1983 aufgenommen.
  • Als ich im August 1984 dort ankam, war dieser Markt also noch keine zwölf Monate in Betrieb.
  • Der Fischgroßmarkt war aus den älteren Anlagen in der Carrer Wellington in Barcelona in das neue Marktgelände verlegt worden.
  • Damit entstand ein wichtiger Standort für den Großhandel mit Fisch und Meeresfrüchten.
  • Für einen Fahrer mit einer entsprechenden Kühltransportladung war das ein passender Anlaufpunkt.
  • Mercabarna war nicht einfach ein gewöhnlicher Markt, auf dem einzelne Kunden einkauften.
  • Es ging um größere Warenmengen, um Handel, Lagerung und Weiterverteilung.
  • Hier trafen Transport und Lebensmittelwirtschaft unmittelbar aufeinander.

„Der Kühlsattelauflieger bleibt zurück“

  • Nach der Entladung ergab sich für mich eine besondere Situation.
  • Ich stellte den Kühlauflieger auf dem Zollgelände ab.
  • ch konnte nicht einfach mit dem noch angehängten, abgefertigten Auflieger meine private Weiterfahrt antreten.
  • Für meinen nächsten Abschnitt stand mir deshalb nur noch die Zugmaschine zur Verfügung.
  • Damit änderte sich der Charakter der Fahrt.
  • Der Auftrag mit der Ladung war abgearbeitet.
  • Die schweren Aufgaben des Fernverkehrs, die Grenzabwicklung und die Entladung lagen hinter mir.
  • Nun konnte ich mich auf den Weg entlang der Küste machen.

„Nicht über die Autobahn, sondern an der Küste entlang“

  • Von Barcelona aus fuhr ich nicht einfach über die Autobahn nach Cambrils.
  • Ich nahm die Küstenroute über die damalige Nationalstraße N-340 und die kleineren Straßen in Richtung Süden.
  • Die genaue Nummerierung einzelner Straßenabschnitte muss für das Jahr 1984 noch anhand historischer Karten überprüft werden.
  • Deshalb möchte ich die späteren Straßenbezeichnungen nicht ungeprüft auf meine damalige Fahrt übertragen.
  • Auf dem Weg lagen Orte wie Torredembarra und Tarragona.
  • In Tarragona kam ich auch in die Gegend des Hafens. Anschließend ging es weiter in Richtung Salou und schließlich nach Cambrils.

„Diese Fahrt war etwas anderes als der vorherige Abschnitt“

  • Ich saß zwar noch immer am Steuer eines Lastwagens, aber der Kühlsattelauflieger war nicht mehr dabei.
  • Ich hatte keine verderbliche Ladung mehr hinter mir und musste nicht mehr ständig an den nächsten Be- oder Entladepunkt denken.
  • Ich konnte die Küste bewusster wahrnehmen.
  • Immer wieder öffnete sich der Blick auf das Mittelmeer.
  • Zwischen den Orten lagen kleinere Straßenabschnitte, Häuser, Landschaften und die typischen Eindrücke der katalanischen Küste.
  • Es war keine moderne Autobahnfahrt, bei der man die Umgebung hauptsächlich durch Leitplanken und Lärmschutzwände wahrnimmt.
  • Es war eine Fahrt durch die Orte und Landschaften entlang der Küste.

„Tarragona, Salou und der Weg nach Cambrils“

  • Die Gegend um Tarragona besitzt eine lange Geschichte.
  • Der Hafen, die Stadt und die Küstenregion waren schon damals wichtige Bestandteile des Lebens in diesem Teil Kataloniens.
  • Weiter südlich lag Salou, das sich als Küstenort entwickelte.
  • Von dort aus führte mich die Strecke in Richtung Cambrils.
  • Ich möchte diese Orte nicht nachträglich zu einer touristischen Bilderbuchkulisse machen.
  • Ich habe sie damals aus der Perspektive eines Berufskraftfahrers erlebt, der nach einem langen Transportauftrag noch ein Stück weiterfuhr.
  • Gerade deshalb sind die Erinnerungen für mich besonders.
  • Ich sah die Küste nicht aus dem Fenster eines Reisebusses und nicht als Urlauber auf einer geführten Tour.
  • Ich war allein mit der Zugmaschine unterwegs und konnte anhalten, die Umgebung betrachten und mir selbst einen Eindruck verschaffen.

„Der Hafen von Cambrils – Fischerboote am Mittelmeer“

  • In Cambrils gab es bereits damals den Hafen, den Port de Cambrils.
  • Dort lagen Fischerboote, die sogenannten barques de pesca.
  • Die Fischerei war ein wichtiger Teil des örtlichen Lebens.
  • Ich sah die Boote und beobachtete, wie die Fischer nach ihrer Arbeit zurückkehrten und ihren Fang an Land brachten.
  • Fischerei war damals ein körperlich anstrengendes Handwerk.
  • Die Männer arbeiteten viele Stunden, mussten mit dem Meer und dem Wetter zurechtkommen und anschließend ihren Fang anlanden.
  • Diesen Eindruck habe ich bis heute behalten.
  • Wenn man solche Szenen selbst erlebt, sieht man Fisch später anders.
  • Auf dem Teller liegt dann nicht einfach nur ein Lebensmittel.
  • Man denkt auch an die Menschen, die früh am Morgen oder nach einer langen Nacht auf dem Wasser gearbeitet haben.
  • Auch der Hafen selbst ist mir in Erinnerung geblieben.
  • Am Ende des größeren Hafenausläufers stand ein kleiner Leuchtturm, der den Fischern und anderen Bootsführern bei der Orientierung half.
  • Die Einfahrt in ein Hafenbecken muss eindeutig erkennbar sein.
  • Der Leuchtturm war deshalb nicht bloß ein hübsches Detail am Ende des Piers.
  • Er hatte eine praktische Aufgabe.

„Vom Kühllastzug zum Liegestuhl“

  • Nach der Entladung in Barcelona hatte ich die Möglichkeit, mit der Zugmaschine allein weiterzufahren.
  • Ich fuhr an der Küste entlang, kam nach Cambrils und erlebte einen Abschnitt, der sich deutlich vom normalen Fernfahreralltag unterschied.
  • Ich konnte ans Meer gehen, etwas essen und trinken und die Umgebung auf mich wirken lassen.
  • Ich hatte einen Grill dabei, den ich benutzen konnte.
  • So konnte ich mir etwas zubereiten, am Meer sitzen und den Blick über das Mittelmeer schweifen lassen.
  • Später legte ich mich in einen Liegestuhl und verbrachte die Nacht draußen.
  • Ich empfand die Situation damals als ausgesprochen sicher.
  • Das ist meine persönliche Erinnerung an diese Zeit.
  • Ich hatte nicht das Gefühl, ständig aufpassen zu müssen oder dass mir etwas passieren könnte.
  • Heute würde ich solche Erfahrungen nicht automatisch auf alle Orte und Zeiten übertragen.
  • Aber damals war es mein eigenes Erleben, und genau so möchte ich es schildern.
  • Tagsüber hatte ich mich mit Transport, Technik, Grenzabwicklung und Ladung beschäftigt.
  • Nun saß ich am Mittelmeer, konnte die Ruhe genießen und hatte das Gefühl, für einen Moment aus dem normalen Arbeitsrhythmus herauszutreten.
  • Dieser Gegensatz ist für mich bis heute besonders.

„Ein persönlicher Blick auf Spanien“

  • Ich war damals verheiratet und hatte meine Familie in Düsseldorf.
  • Natürlich nahm ich als junger Mann auch die Menschen wahr, denen ich in Spanien begegnete.
  • Ich hatte schon in meiner Jugend eine Vorliebe für große, schlanke Frauen mit langen dunklen Haaren und dunklen Augen.
  • Das gehörte zu meinen persönlichen Eindrücken von damals.
  • Es bedeutete aber nicht, dass ich meine Ehe infrage stellte oder auf der Suche nach einem Abenteuer war.
  • Ich war mit Elke verheiratet und hatte einen kleinen Sohn.
  • Meine Verbindung zu Spanien entstand nicht durch eine einzelne Begegnung, sondern durch meine Arbeit, die vielen Fahrten, die Landschaften, die Menschen und später durch mein Leben vor Ort.

„1984 war erst der Anfang“

  • Nach dieser ersten Begegnung mit Cambrils war meine Geschichte mit Spanien noch lange nicht abgeschlossen.
  • Ich fuhr in den folgenden Jahren weiter nach Spanien.
  • Die Fahrten gehörten zu meinem Berufsleben, und nach und nach lernte ich das Land und seine Regionen besser kennen.
  • Doch meine eigene kleine Wohnung in Cambrils hatte ich 1984 noch nicht.
  • Zu diesem Zeitpunkt lebte ich mit Elke und Dirk in Düsseldorf.
  • Die Wohnung am Hafen kam erst später.
  • Das ist ein wichtiger Unterschied, denn die erste Fahrt war der Anfang einer Entwicklung, die sich über mehrere Jahre erstreckte.

„1987 – Meine kleine Wohnung am Hafen“

  • Erst 1987 suchte ich mir in Cambrils eine kleine Wohnung.
  • Sie hatte 55 Quadratmeter und war für mich schnuckelig und gemütlich.
  • Von der Wohnung aus konnte ich den Hafen beobachten.
  • Ich konnte sehen, wie die Fischerboote zurückkehrten und anlegten.
  • Diese Aussicht war einer der Gründe, weshalb ich mich für die Wohnung entschieden hatte.
  • Für mich war der Hafen kein bloßes Fotomotiv.
  • Er war ein Arbeitsplatz, an dem Menschen früh am Morgen ihre Arbeit verrichteten und ihren Fang an Land brachten.
  • Wenn die Fischerboote zurückkamen, hielt es mich oft nicht lange in der Wohnung.
  • Ich wusch mich kurz, zog eine Jogginghose an und schlüpfte in meine Sandalen.
  • Weiße Socken dazu waren damals für mich kein modisches Verbrechen.
  • Dann ging ich hinunter zum Hafen.

„Frischer Fisch – direkt am Hafen gekauft“

  • Ich wollte nicht nur beobachten, wie die Fischer ihren Fang an Land brachten.
  • Ich kaufte dort auch frischen Fisch.
  • Die Fischer und ihre Ehefrauen halfen mir manchmal dabei, den Fisch auszunehmen.
  • Ich sage es ganz offen: Das Ausnehmen war damals nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung.
  • Die Frauen wuschen mir den Fisch anschließend mit Salzwasser ab.
  • Mir war wichtig, dass der leichte Geschmack nach Meer erhalten blieb.
  • Danach ging ich mit dem frischen Fisch zurück in meine Wohnung.
  • Das war für mich ein ganz anderer Zugang zur Küche als der Einkauf in einem gewöhnlichen Supermarkt.
  • Ich hatte den Fisch am Hafen gekauft, kannte den Ort, an dem er angelandet worden war, und hatte den Menschen bei ihrer Arbeit zugesehen.
  • Der Weg vom Hafen in meine Küche war kurz.
  • Und frischer konnte mein Mittagessen kaum sein.

„Der kleine Gasherd und die Butangasflasche“

  • In der Wohnung stand ein einfacher Herd, der mit einer kleinen Butangasflasche betrieben wurde.
  • Diese Flaschen gehörten damals in Spanien für viele Haushalte zum Alltag.
  • Auch ich nutzte eine solche Ausstattung, um mir mein Essen zuzubereiten.
  • Ich brauchte keine große Küche und keine komplizierte Technik.
  • Ich hatte frischen Fisch, eine Pfanne und gute Butter.
  • Den Fisch legte ich ganz schlicht in die Pfanne.
  • Ich panierte ihn nicht und machte auch keine große Sache daraus.
  • Ich briet ihn mit Butter, bis sich eine schöne Haut bildete.
  • So schmeckte mir der Fisch.

„Erst Butter, später spanisches Olivenöl“

  • Anfangs bereitete ich den Fisch ausschließlich mit guter Butter zu.
  • Erst einige Jahre später begann ich, spanisches natives Olivenöl zu verwenden.
  • Das war keine Entscheidung, die ich von heute auf morgen traf.
  • Es entwickelte sich mit meinem Leben in Spanien und mit den Erfahrungen, die ich dort machte.
  • Ich lernte die örtlichen Lebensmittel besser kennen und probierte aus, wie sich Geschmack und Zubereitung verändern.
  • Der frische Fisch blieb dabei der Mittelpunkt.
  • Ich brauchte keine komplizierten Rezepte und keine lange Zutatenliste.
  • Die Qualität des Produkts, die einfache Zubereitung und der Geschmack standen im Vordergrund.
  • Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, sehe ich noch immer die kleine Wohnung, die Pfanne auf dem Herd und den Blick auf den Hafen vor mir.

„Die Fischer – ein Handwerk mit langer Tradition“

  • Die Fischer von Cambrils haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
  • Ich konnte sehen, wie anstrengend ihre Arbeit war und wie selbstverständlich sie zu ihrem Alltag gehörte.
  • Die Rückkehr der Boote, das Anlanden des Fangs und die Arbeit an der Kaimauer waren für mich keine touristischen Attraktionen.
  • Es war das wirkliche Leben des Ortes.
  • Nach meiner Erinnerung wurde damals in der Gegend mehr Fisch gefangen als heute.
  • Diese Einschätzung beruht auf dem, was ich selbst erlebt und beobachtet habe.
  • Um die Entwicklung der Fangmengen für die Region genau zu beschreiben, wären zusätzliche Daten zur örtlichen Fischerei notwendig.

„Das handwerkliche Grundprinzip ist mir jedoch bis heute verständlich geblieben“

  • Die Fischer müssen hinaus aufs Meer, ihren Fang einholen, zurückkehren und ihn an Land bringen.
  • Dahinter stehen lange Arbeitszeiten, körperliche Belastung und viel Erfahrung.

„Eine Eisenbahnspur in meiner Erinnerung“

  • Auch die Eisenbahn gehört zu den Eindrücken, die ich mit dieser Region verbinde.
  • In Vilanova i la Geltrú befanden sich alte Eisenbahnanlagen, die später zum Museu del Ferrocarril de Catalunya wurden.
  • Die Geschichte dieser Sammlung begann bereits 1972 mit dem Zusammentragen von Lokomotiven.
  • 1981 wurde die Einrichtung eines künftigen Eisenbahnmuseums durch Renfe und die katalanische Regionalregierung vorangetrieben.
  • Das heutige Museum wurde erst später eröffnet.
  • Deshalb wäre es falsch, meine damalige Fahrt so zu beschreiben, als hätte ich 1984 bereits ein fertig eingerichtetes Museum besucht.
  • Gerade solche Einzelheiten sind mir wichtig.
  • Eine persönliche Erinnerung soll lebendig sein, aber sie muss auch zeitlich stimmen.
  • Die Eisenbahn und der Straßengüterverkehr gehören für mich zu zwei Seiten derselben europäischen Verkehrsgeschichte.
  • Beide verbinden Regionen, Menschen und wirtschaftliche Zentren miteinander.

„Was von dieser Fahrt geblieben ist“

  • Wenn ich heute auf den August 1984 zurückblicke, erinnere ich mich nicht nur an Kilometer und Straßen.
  • Ich erinnere mich an den Abend mit Elke, an das Telefax und den Auftrag für den nächsten Morgen.
  • Ich erinnere mich an die Fahrt durch Luxemburg und Frankreich, an die Station bei Mâcon, an die Entladung in Avignon und an die Grenze bei La Jonquera.
  • Ich erinnere mich an Mercabarna in Barcelona, an den zurückgelassenen Kühlsattelauflieger und an die Fahrt mit der Zugmaschine entlang der Küste.

„Und ich erinnere mich an Cambrils“

  • Damals war es zunächst ein Ort, den ich auf einer Fahrt kennenlernte.
  • Erst später, 1987, wurde daraus ein Ort, an dem ich eine eigene kleine Wohnung hatte und den Hafen aus nächster Nähe erleben konnte.
  • Ich konnte morgens hinuntergehen, den Fischern begegnen und frischen Fisch kaufen.
  • Mittags bereitete ich ihn in meiner kleinen Küche zu. Am Abend konnte ich auf das Mittelmeer schauen.
  • So entstand mit der Zeit eine persönliche Verbindung zu Spanien.

„Eine Fahrt, zwei Welten“

  • Auf der einen Seite stand mein Beruf als Kraftfahrer.
  • Ladung, Kühltechnik, Grenzabfertigung, lange Strecken und die Verantwortung für einen schweren Lastzug.
  • Auf der anderen Seite standen die Küste, die Fischer, das Mittelmeer, die kleine Wohnung und die einfachen Mahlzeiten.
  • Beide Seiten gehören zu meiner Geschichte.
  • Die eine brachte mich nach Spanien.
  • Die andere sorgte dafür, dass Spanien für mich mehr wurde als ein Ziel auf einem Frachtauftrag.
  • Die erste Fahrt im August 1984 war nicht der Beginn eines Urlaubs, sondern Teil meines Berufslebens.
  • Doch sie führte mich an einen Ort, der später eine ganz besondere Bedeutung für mich bekommen sollte.
  • Und genau deshalb ist diese Fahrt für mich bis heute eine Zeitreise aus dem Fahrerhaus.

© Jakob Diener

Ein Gedanke zu „„August 1984 – Ein ganz gewöhnlicher Abend““

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